Interview mit Laura Kneidl

Freitag, 30. März 2018
Hallo, ihr Lieben!
Auch mit der lieben Laura Kneidl durften Lucia und ich während der Leipziger Buchmesse 2018 ein tolles und interessantes Interview führen. Wer uns ein wenig verfolgt, weiß, dass wir riesige Fans ihrer Bücher "Berühre Mich. Nicht" und "Verliere Mich. Nicht" sind und die Autorin seitdem wirklich für ihre Arbeit bewundern.
Umso mehr haben wir uns gefreut, dass wir dank des LYX-Verlags die Möglichkeit hatten, sie persönlich kennenzulernen und mit ihr ein wenig über ihre Bücher und das Schreiben zu quatschen. Dabei hat sie uns einige spannende Sachen verraten. Aber lest selbst!

































Hast du schon immer gerne geschrieben oder wie und wann hat sich das bei dir entwickelt?
Ich habe lange Zeit gar nicht geschrieben, ich bin keine Autorin, die sagen kann, dass sie schon immer geschrieben oder Geschichten erzählt hat. Bei mir ist das relativ spät gekommen, nämlich mit 17. Ich habe "Twilight" gelesen und habe dann angefangen, "Twilight"-Fanfictions zu schreiben und da hatte ich den ersten Kontakt zum Schreiben. 
Das war ungefähr vor 10 Jahren. Ein Jahr später ungefähr habe ich angefangen "City of Bones" von Cassandra Clare zu lesen, was ich sehr toll fand und da wollte ich dann eine eigene Geschichte erzählen und habe dann im Prinzip zuerst einen "Rip off" zu "City of Bones" geschrieben. Es war keine Fanfiction, sondern was Eigenes, aber quasi meine Lieblingselemente aus "City of Bones" zusammengeklaut in einer eigenen Geschichte.


Sage hat in ihrer Vergangenheit schlimme Sachen erlebt. Wie bist du darauf gekommen, hast du dich generell viel mit den Themen Psyche und speziell Angststörungen beschäftigt?
Die Idee hat sich so ein bisschen gewandelt, ich habe vor 4-5 Jahren schon ein New Adult Buch geschrieben, was aber nicht veröffentlicht wurde, da ich es nicht gut fand. Da hatte die Protagonistin eine bipolare Störung. Generell interessiert mich die menschliche Psyche, besonders psychische Krankheiten. Es war ein persönliches Anliegen von mir, die Gesellschaft über sowas "aufzuklären". Obwohl das Wort bisschen falsch gewählt ist, aber ich wollte gerne darstellen, dass man kein anderer Mensch ist, nur weil man an einer derartigen Krankheit leidet. Ich wollte einfach eine Offenheit dafür schaffen, das war mir sehr wichtig und diese Protagonistin hatte halt diese bipolare Störung. Ich habe darüber ganz viel recherchiert und bin dabei darauf gekommen, dass es auch eine Phobie vor Männern gibt. Ich habe dann darüber gelesen, was das auslöst, wie sich das zeigt, woher das kommt und fand das irgendwie total spannend. Allerdings hatte ich noch keinen Charakter, zu dem das gepasst hat. Als ich "Berühre mich. nicht" entwickelt habe, bin ich mit Sage irgendwie darauf gekommen und dachte mir, dass das zu Sage gut passen würde. Ich habe dann ihre ganze Background Geschichte entwickelt und Stück für Stück hat sie mir das dann sozusagen erzählt. Beim Schreiben ist mir aber aufgefallen, dass diese Phobie irgendwie nicht das Richtige ist, also habe ich nochmal weiterrecherchiert und bin dann auf diese Angststörung gestoßen. Ich kenne außerdem Freunde von mir, die darunter leiden, mit denen ich auch darüber gesprochen habe und auch ich selbst bin eher ein ängstlicher und kopflastiger als mutiger Mensch und so kam dann halt die Idee zu Sage, wie sich das so entwickelt hat.

Hast du Hilfe bei den Recherchen für deine Bücher? Oder wie läuft die Recherche ab?
Der Ursprung der Recherche ist erstmal Wikipedia, da mache ich mich erstmal etwas schlau. Dann schaue ich, was es im Internet an Fachliteratur gibt, in Foren kann man ja auch viel lesen. Beispielsweise bei Angststörungen gibt es viele Foren, wo Betroffene über ihre Ängste reden. Aber es ist auf jeden Fall auch wichtig, persönlich Leute anzuschreiben und mit denen darüber zu reden, weil die einem genau die Fragen beantworten können, die man zu seinem Buch hat. Mir ist es dabei aber auch wichtig, mit mehr als einer Person zu reden, da ich glaube, dass keine Erfahrung übergreifend für alle ist. Deshalb ist es mir wichtig, mit drei, vier, fünf Personen zu reden und aus dem, was sie erfahren habe, das möglichst Zutreffendste zu schreiben, obwohl man selbst dann noch nicht alle erreicht. Das merke ich auch bei den Rückmeldungen zu "Berühre mich. nicht". Die einen schreiben, dass sie Sage mit ihren Angststörungen super gut verstehen können, weil es ihnen auch so geht und andere schreiben wiederum, dass das noch viel zu mild dargestellt ist, weil halt ihre persönlichen Erfahrungen ganz anders sind als die von Sage. Das ist halt wirklich eine ganz individuelle Erfahrung für jeden, aber genau deshalb ist es extrem wichtig, mit Leuten darüber zu schreiben, da die Fachliteratur da nicht alles transportieren kann. Diese sagt einem Symptome und so weiter, aber sie kann dir nicht sagen, wie man sich wirklich dabei fühlt und wie der Alltag dabei ist.

Sage's Freunde sind ja alle sehr unterschiedlich und haben ihren eigenen Charakter. Wie bist du auf die einzelnen Personen gekommen? Wodurch wurdest du inspiriert?
Es ist schwer zu sagen, dass ich dazu inspiriert wurde, man überlegt sich halt, ausgehend der Protagonistin, welche Personen sie in ihrem Umfeld braucht bzw. mit welchen Personen sie befreundet sein kann. Es kann ja nicht jeder mit jedem befreundet sein. Es war natürlich klar, dass Sage irgendeine Freundin haben muss und dann wurde das eben Megan. Dann habe ich mir die Frage gestellt, woher die beiden sich kennen und für mich war es logisch, dass sie sie schon vor der Angststörung gekannt haben muss. Dann arbeitet man sich halt Stück für Stück voran und überlegt, was eine logische Konstellation der Freundschaften wäre. Bei Charakteren ist das auch viel Eingebung wie diese Charaktere sind. Bei April zum Beispiel wusste ich gar nicht, dass sie so ein Serienjunkie ist, das war überhaupt nicht geplant, aber nach der ersten aufkommenden Diskussion in der Küche mit "Game of Thrones" hat sich das bei April so entwickelt. 
Gerade bei New Adult ist es mir zwar wichtig, die Eckpfeiler von den jeweiligen Charakteren zu kennen und zu wissen, wie die grob angelegt sind, wie z.B. bei Luca zu wissen, dass er das studiert und Probleme mit seiner Mutter hat, aber viel muss halt auch intuitiv kommen. Sonst wirkt das alles so konstruiert und gewollt, ein bisschen ist gut, aber nicht zu viel.

Würdest du sagen, dass dir einer deiner Charaktere ähnelt?
Es gibt keinen Charakter, der mir komplett ähnelt, aber ich bin davon überzeugt, dass man jedem Charakter, ob Haupt- oder Nebencharakter oder auch Bösewicht, ein Stück von sich mitgibt. Man braucht diese Verbindung auch, um den Charakter greifen zu können. Wenn ein Charakter dir in keinerlei Hinsicht ähneln würde, wäre das, glaube ich, schon schwer, ein Buch über die Person zu schreiben. Deshalb muss es immer einen Teil geben, den man nachvollziehen kann. Zum Beispiel bei dem Antagonisten, wenn der Antrieb Neid ist, muss man sich dabei auch auf sich selber beziehen und überlegen, wie man selbst bei Neid fühlt. Das heißt, es muss immer eine gewisse Verbindung da sein, um die Motive des Charakters greifen zu können. Bei Sage ist es ja beispielsweise so, dass sie recht ängstlich und sehr kopflastig ist, das haben wir gemeinsam, und bei Luca ist es unser Studium und unsere Liebe zu Büchern, bei April die Liebe zu Serien.

Du bist ja mit Bianca Iosivoni und Mona Kasten befreundet. Helft ihr euch manchmal oder liefert euch gegenseitig Ideen?
Ja, auf jeden Fall, Bianca wohnt inzwischen ja auch hier in Leipzig, genau wie ich und wir wohnen nur 10 Gehminuten voneinander entfernt. Wir beide reden (vor allem in letzter Zeit) ständig über neue Ideen. Wir treffen uns zum Kaffee, reden darüber, tauschen uns aus und wir helfen uns auch manchmal über Whatsapp, zum Beispiel, wenn wir ein Synonym für ein Wort brauchen oder generell eine Formulierung. Da sind wir wirklich im ständigen Austausch und helfen uns gegenseitig, so gut es geht. 

Welches Genre schreibst du lieber? Fantasy oder New Adult?
Ich bevorzuge keines von beiden, ich schreibe immer das, was ich selbst lesen möchte und lese halt gerne Fantasy, aber auch New Adult. Aktuell habe ich das Glück, dass ich das immer abwechselnd schreiben kann und diese Abwechslung mag ich wirklich sehr. Bei New Adult kann ich richtig tief in die Charaktere rein gehen, mich ganz den Charakteren widmen. Bei Fantasy mag ich es hingegen den Plot und die Action ausleben zu können. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich sage immer, dass ich es bei New Adult super schwer finde, Spannung einzubauen, da es bei den alltäglichen Situationen wie einkaufen schwer ist. Der Leser muss gerne lesen wollen, dass sie einkaufen gehen und das ist bei Fantasy halt leichter, obwohl es da wiederum schwieriger ist, Gefühle hineinzubringen. Ich bin einfach froh, beides schreiben zu können.

Existieren Schreibblockaden für dich und was tust du dagegen?
An die klassischen Schreibblockaden, dass gar nichts mehr geht, glaube ich nicht ganz so sehr. Wenn ich beim Schreiben nicht weiterkomme, hat das entweder den Grund, dass ich in dem Moment einfach keine Lust habe und dann muss ich mir das auch eingestehen, dass es dann gerade nicht geht, oder aber ich habe Angst davor, etwas falsch zu machen, das wäre dann die Selbstzweifelblockade. Was noch sein kann, ist, dass ich in der Vergangenheit einen Fehler im Manuskript gemacht habe. Also zum Beispiel habe ich eine falsche Abzweigung genommen, sodass der Charakter eine falsche Entscheidung getroffen hat und ich deswegen nicht vorankomme. Das ist dann ein Bauchgefühl und ich gehe in dem Fall einfach zurück und schaue, ab wann es mir schwer fällt zu schreiben, ab wann ich neu ansetzen und was ich löschen müsste. 
Manchmal lösche ich dann auch 500 Wörter, auch wenn ich manchmal lange überlege, ob ich diese wirklich löschen soll, aber meistens ist es die richtige Entscheidung, da ich die 500 Wörter dann innerhalb von 1-2 Tagen wieder drinnen habe, da der Schreibfluss dann automatisch wieder zurückkommt. 

Wie viele Stunden verbringst du täglich mit Schreiben?
Das kann man pauschal gar nicht sagen. Zum Beruf Autor gehören ja viele Sachen dazu: Entwerfen des Plots, Lektorat, Druckfahnen, Social Media und Marketing, Messen, Lesungen, Interviews, Emails beantworten....Deshalb schreibt man auch nicht jeden Tag, das ist eher so phasenweise. Man hat mal 2 Monate, in denen man wirklich viel schreibt, aber während der Druckfahnenphasen zum Beispiel, schreibt man wieder gar nicht. Wenn ich aber einen Schreibtag habe, setze ich mich um 8 Uhr hin und schreibe manchmal auch bis 18 Uhr, aber natürlich auch mit Unterbrechungen. Es gibt auch Tage, wo ich merke, dass Schreiben heute nicht gut funktioniert und dann höre ich auch auf. Man muss nur aufpassen, dass man es nicht zu sehr schleifen lässt, wegen Netflix zum Beispiel.

Gibt es ein Genre, was du noch gerne ausprobieren würdest? Oder hattest du vielleicht mal eins angepeilt und dich nicht getraut?
Nicht trauen gibt es bei mir eigentlich nicht. Also ich habe ein High Fantasy Buch geschrieben, was im Oktober im Piper Verlag erscheint, wozu ich die Idee schon 2010 hatte, mir das damals aber noch nicht zugetraut habe. Ich musste erst ein paar Erfahrungen sammeln, um mich das zu trauen. Jetzt bin ich, glaube ich, an dem Punkt angelangt, dass ich theoretisch alles schreiben würde, ich also keine Angst mehr vor irgendwas hätte. Natürlich gibt es aber Genre, auf die ich im Moment einfach keine Lust habe. Zum Beispiel auf einen historischen Roman, da ich mich wenig bis gar nicht für Geschichte interessiere und auf die genaue Recherche hätte ich da einfach keine Lust. Ich habe außerdem das Gefühl, dass Thriller (im Moment) auch nicht so meins ist. 
Also gibt es für mich aktuell kein Genre, was ich wirklich ausprobieren möchte, da ich ja das Glück habe, Jugendbücher, (High) Fantasy und New Adult schreiben zu können.


Auf was dürfen sich deine Leser nach "Herz aus Schatten" freuen?
 
Auf ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt, da ich es bereits seit 2010 mit mir rumtrage und seit 2015 daran arbeite. Es ist der erste Teil einer High Fantasy Reihe, die im Oktober 2018 im Piper Verlag erscheinen wird. Der erste Band trägt den Titel "Die Krone der Dunkelheit". In dem Buch geht es um Freya, eine Prinzessin, die sich auf die Suche nach ihrem tot geglaubten Bruder begibt und sich dabei verbotenerweise der Magie zuwendet. Und um Ceylan, einer Kriegerin in Ausbildung, deren größeren Wunsch es ist, sich an den Fae und Elva zu rächen, die ihre Familie getötet haben. Aber auch ein verfluchter Assassine, ein verurteilter Wächter und ein verlorener Prinz spielen eine Rolle. Es wird sehr spannend und ich kann es kaum erwarten!
Außerdem erscheint außerdem demnächst ein neuer New Adult Roman. Es wird ein Einzelband und er erscheint wieder bei LYX. Weitere Infos folgen noch!



Ich hoffe wirklich sehr, dass euch das Interview gefallen hat. Lucia und ich haben Laura als einen sehr offenen, lieben und sympathischen Menschen kennengelernt. Mit ihr ein wenig zu plaudern war definitiv eines unserer Highlights der diesjährigen Leipziger Buchmesse! Danke an dich, liebe Laura!
Lasst mir doch sehr gerne einen Kommentar da, ich würde mich freuen!

Bis zum nächsten Mal!
Eure Laura ♡

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