Interview mit Ursula Poznanski & Arno Strobel

Mittwoch, 26. Oktober 2016
Hey, ihr Lieben!

Ich hatte am Samstag, den 22. Oktober, auf der Frankfurter Buchmesse die große Ehre, die beiden deutschen Autoren Ursula Poznanski und Arno Strobel zu interviewen. Wer mich kennt, der weiß, wie sehr ich die Bücher der beiden liebe!
Bereits letztes Jahr  erschien mit "Fremd" das erste gemeinsame Buch der beiden, seit dem 21. September 2016 ist der Thriller "Anonym" im Handel erhältlich. (Hier geht's zur Rezension!)

Nachfolgend nun das Interview und ein paar Impressionen...




Wie kam die Zusammenarbeit bei Ihnen zustande?
Poznanski: Es war nicht so, dass wir auf der Suche waren nach jemandem, mit dem wir zusammen ein Buch schreiben können. An dem Abend, an dem wir uns kennengelernt haben, haben wir uns ziemlich intensiv über das Schreiben unterhalten und dann beide unisono festgestellt, dass wir uns nicht vorstellen könnten, mit jemand anderem etwas zusammen zu schreiben.
Der Abend war dann recht lang und es floss einiges an Wein. Das Thema "gemeinsames Schreiben" haben wir immer wieder aufgegriffen. Und am Ende des Abends habe ich dann zu Arno gesagt: Weißt du was, wir haben jetzt schon ansatzweise eine Idee. Ich schreibe jetzt mal spaßeshalber ein Kapitel und schicke dir das. Dann schaust du, was du damit machst. Dann habe ich meinen Text dem Arno geschickt, ihm hat das gefallen, er hat was zurück geschickt und das ging dann so hin und her. Und irgendwann hatten wir dann so viel, dass wir gesagt haben: uns gefällt das, also schauen wir mal, ob wir das nicht weiterführen wollen.

Wie finden Sie die Inspiration für ihre Geschichten?
Strobel: Das ist unterschiedlich, man kann nicht sagen: grundsätzlich kommen die Ideen da her oder da her. Bei mir ist es meistens so, dass es Dinge aus meinem Umfeld sind, die ich irgendwo beobachte. Ganz alltägliche Dinge, die man sich dann aufgreift und denkt: Mensch, was wäre denn, wenn in dieser Situation jetzt das oder das passieren würde? So entstehen dann erste Ideen. Irgendwann hat man so etwas wie einen kleinen Plot stehen und es wird langsam eine Geschichte daraus.
Poznanski: Bei mir sind es weniger Alltagssituationen aus denen die Ideen herauskommen. Manchmal ist es ein Artikel, den ich irgendwo im Internet oder in der Zeitung lese. Da reicht dann auch manchmal nur ein Satz, der mit der endgültigen Geschichte gar nicht so viel zu tun hat. Einfach irgendetwas, das einen Denkprozess oder irgendetwas in Bewegung setzt. Das ist bei mir aber auch bei jedem Buch anders.

Ist eine Geschichte vorher schon komplett geplant oder wirft man Ideen während des Schreibens wieder um?
Poznanski: Wenn wir zu zweit schreiben, dann planen wir schon ziemlich genau. Man kann dann nicht einfach sagen: Mir ist jetzt etwas neues eingefallen; ich schaue mal, wie du damit jetzt zurechtkommst. Das geht so nicht. Wenn ich alleine schreibe, ist es schon so, dass ich die Lösung des Rätsels von vornherein weiß. Und sonst ergibt sich sehr viel beim Schreiben selbst. Ich plotte nicht minutiös alles durch.
Strobel: Es ergibt sich beim Schreiben natürlich schon immer einiges, mit dem man vorher gar nicht gerechnet hat, weil jede Geschichte während des Schreibprozesses irgendwann eine Eigendynamik entwickelt. Es passieren also beim Schreiben Dinge, an die man vorher nicht gedacht hat. Die ergeben sich dann situativ. Dann ist es so, dass man sich das alles noch einmal durchliest und sich dann überlegt: Ja, wenn das jetzt so und so ist, dann könnte es ja auch so und so sein. Und man ist plötzlich auf einem ganz anderen Weg als man ursprünglich war. Was von Anfang an stehen muss, ist das Ende. Die Frage ist nur: wie gelange ich dahin?



Was sind die größten Schwierigkeiten, wenn man zu zweit schreibt?
Strobel: Es gibt keine Schwierigkeiten.
Poznanski: Das ist tatsächlich so. Es ist eher andersrum, es vereinfacht viele Dinge. Gerade wenn man die Geschichte entwickelt, gibt es Phasen, da würde man alleine viel länger brauchen als man es zu zweit braucht. Und dann hängt es natürlich auch stark davon ab, ob man auf einer Wellenlänge ist. Wenn wir uns in grundlegenden Fragen uneinig wären, oder wenn einer von uns überhaupt nicht kritikfähig wäre, dann würde das nicht funktionieren.
Strobel: Genau, man muss in grundsätzlichen Dingen ähnlich ticken, was das Schreiben betrifft. Wenn das gegeben ist, dann gibt es keine Schwierigkeiten. Sondern ganz im Gegenteil, dann macht es Spaß und es ist natürlich vieles einfacher – man muss selbst nur ein halbes Buch schreiben.

Wie sieht ein gemeinsamer Schreibprozess bei Ihnen aus?
Strobel: Bevor wir mit dem Schreiben beginnen, sitzen wir etliche Tage zusammen und plotten die Geschichte durch. Das heißt, wir machen einen Kapitelplan, wo in jedem Kapitel mit ein, zwei Sätzen grob beschrieben wird, was wir uns dazu überlegt haben. Wenn man dann mit seinem Kapitel dran ist, hat man einen Leitfaden, an dem man entlang schreiben kann. Vor allem weiß der andere dann auch, was er zurückbekommt. Zwar nicht im Detail, aber im Groben weiß er, was er zurückbekommt und kann sich darauf einstellen. Und das macht es dann recht einfach.

Wie gehen Sie mit Schreibblockaden um?
Poznanski: An die Schreibblockade, wie sie allgemein verstanden wird, glauben wir beide nicht so richtig. Wir glauben an keine Lust haben auf Schreiben. Das kommt definitiv mal vor, ist aber keine Blockade. Wir glauben auch an "im Plot hängen" wenn man sich oder verlaufen oder irgendwo einen Fehler eingebaut hat, das ist aber auch keine Blockade. Wenn alles passt und wunderbar ist und man keine Sorgen hat, man aber trotzdem nicht schreiben kann, das kenne ich nicht. Das würde dann höchstens in die Kategorie "Sorry, aber im Moment gerade keine Lust" fallen.
Strobel: Ich denke auch, dass es eine solche Blockade nicht gibt. Es kann durchaus mal vorbeikommen, dass man zwei, drei Tage das Gefühl hat: Ach, es läuft gerade nicht so, ich lasse es besser sein. Das kann sein, aber irgendwann muss man sich selbst auch wieder dazu aufrappeln und sagen „Auch wenn du gerade keine Lust hast, es ist dein Job, du musst fertig werden und jetzt musst du weiterschreiben“. Und dann geht das auch, auch wenn es vielleicht in dem Moment nicht den riesengroßen Spaß macht. Wenn nichts ist und jemand mir erzählt, dass er ein halbes Jahr aufgrund einer Blockade nicht schreiben konnte, dann würde ich demjenigen raten, sich vielleicht doch lieber einen anderen Job zu suchen. Meines Erachtens ist das einfach eine Ausrede für „Ich habe kein Bock“.


Wie entstehen die Charaktere im Buch, sind sie inspiriert von Familie oder Freunde?
Poznanski: Meine Charaktere kommen zu einem gewissen Teil schon mit der Buchidee mit. Da habe ich dann bereits ein verschwommenes Bild, wie meine Hauptfiguren aussehen könnten. Und die entwickeln sich dann einerseits beim Schreiben weiter; oder sie kriegen eben im Vorfeld beim Plotten immer schärfere Konturen. Die haben aber eigentlich nie was mit Leuten zu tun, die ich persönlich kenne.
Strobel: Und selbst wenn es so wäre, würde ich es nicht verraten. (lacht)

Gibt es eine Schreibzeit, in der sie am kreativsten sind?
Poznanski: Ich nehme mir immer vor, gleich morgens anzufangen und mein Plansoll zu erfüllen. Das schaffe ich dann auch meistens. Manchmal prokrastiniere ich aber vorher noch ein bisschen rum und fange dann erst an zu schreiben.
Strobel: Also ich stehe morgens um 6 Uhr auf, gehe eine Stunde laufen, dann mache ich mir ein gesundes Frühstück mit Orangensaft und um 8 Uhr sitze ich am Schreibtisch und schreibe bis abends um 6 oder 7.
Zwischendurch gibt es natürlich wieder gesundes Essen und dann trinke ich noch einen Kamillentee und lege mich um 8 Uhr ins Bett. Am nächsten Morgen stehe ich dann wieder um 6 Uhr auf. Das wäre natürlich schön. (lacht)
Poznanski: Das glaube ich dir nicht, dass du das schön findest. (lacht)
Strobel: (lacht) Schön wäre es nicht, aber das würde auf jeden Fall gut klingen. Man nimmt sich eigentlich schon vor, feste Zeiten zum Schreiben einzuhalten. Aber dann klingelt das Telefon, es kommt hier noch was dazwischen und man denkt sich: ich fange heute erst nachmittags an. Oder ach nee, morgen ist auch noch Zeit. Das kommt schon vor, dass man an einem Tag arbeiten wollte, aber dann mit anderen Dingen beschäftigt ist.

Welche Autoren lesen Sie selbst gerne?
Poznanski: Das sind wahnsinnig viele, das ist echt schwierig. Ich habe eine wahnsinnig lange Liste an Autoren, die ich gerne lese. Und es kommen auch immer wieder neue dazu.
Strobel: Was ich festgestellt habe, seit ich selbst in dem Job drin bin und viele andere Kollegen und Kolleginnen kennengelernt habe, ist, dass es mittlerweile verdammt viele gute deutsche Autoren gibt. Ich stimme Ursula zu, es gibt zu viele gute Autoren, als dass man jetzt zwei oder drei herausgreifen könnte. Das würde den anderen dann nicht gerecht werden.
Sind bereits weitere gemeinsame Werke geplant?
Poznanski & Strobel: Mittlerweile können wir sagen: ja. Wir haben schon intensive Gespräche über weitere Bücher geführt und es sieht stark nach einem weiteren gemeinsamen Roman aus.



Noch einmal vielen Dank an den Rowohlt Verlag für diese tolle Möglichkeit, ich habe mich sehr darüber gefreut!
Ich hoffe natürlich, dass euch das Interview gefallen hat, hinterlasst mir gerne einen Kommentar dazu :-)

Bis zum nächsten Mal, eure Laura



Kommentare

  1. Laura!!

    Klasse Post! Ich hatte richtig viel Spaß beim Lesen und die beiden kommen echt richtig sympathisch rüber. Ich freue mich schon auf's neue Werk von den beiden und bin mal ganz gespannt, welche Idee die zwei sich da ausgedacht haben!

    Ganz toller Post & super süße Bilder!

    Allerliebste Grüße,
    Marius O:)

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Laura,
    Danke dir, dass du dieses Interview hier veröffentlicht hast.
    Ich bin auch sehr großer Fan der beiden und habe mich sehr über dieses Interview gefreut. Ich freue mich ebenfalls sehr auf das neue Projekt der beiden und bin schon sehr gespannt darauf.

    Schöne Grüße
    Lisa :-)
    https://lisasbookverse.wordpress.com

    AntwortenLöschen